Das theologische Online-Feuilleton www.feinschwarz.net wird heute drei Jahre alt. Zu diesem Anlass präsentiert die Redaktion ein Mosaik zum Thema „Postklerikale Kirche“.
Seit zweieinhalb Jahren bin ich Teil des Redaktionsteams – eine großartige Erfahrung. Mein Mosaiksteinchen lautet wie folgt:
Wer den Klerikalismus abschaffen möchte, möchte nicht etwa den Kleriker abschaffen, sondern eine bestimmte Haltung: eine Haltung der Selbstgenügsamkeit und Unersetzbarkeit. Wer eine postklerikale Kirche visioniert, sieht nicht etwa eine priesterfreie Zone vor sich, sondern ein Miteinander von Klerikern und Laien auf Augenhöhe. Ein Miteinander, bei dem das gesamte Volk Gottes zur Wirkung kommen kann. Doch, damit es nicht bei einer Vision bleibt, reicht der (päpstliche) Ruf nach einer postklerikalen Kirche nicht aus. Top-down und Bottom-up müssen sich ergänzen. Ich lebe in der katholischen Diaspora. „Unserer“ Pfarrer ist weit davon entfernt, dem Klerikalismus zu verfallen und doch schlummert das Volk Gottes. Kirchenvorstandswahlen? Ohne mich. Engagement im Flüchtlingstreff? Sollen die andern machen. Gottesdienste gestalten und leiten? Der Pfarrer will sich wohl mal freinehmen. Lokale Kirchenentwicklung? Nu ist aber mal gut; der Herr Pfarrer soll jetzt endlich mal ein Machtwort sprechen und die Entscheidungen nicht immer auf uns abwälzen.
Wollen wir wirklich ein Miteinander auf Augenhöhe – mit allen Konsequenzen?

Foto: Andreas Stix / pixelio.de