… Laurence J. Peter. Kennen Sie den? Eine Freundin machte mich bei unserem Telefonat vorgestern auf das Peter-Prinzip aufmerksam. Ich kannte es noch gar nicht und fand den Gedanken bemerkenswert. Das Peter-Prinzip geht auf Laurence J. Peter zurück, der es in seinem 1969 publizierten Buch „The Peter Principle. Why Things Always Go Wrong“ der Öffentlichkeit zugänglich machte. Grob formuliert besagt es, dass Angestellte in einer Hierarchie solange aufsteigen oder befördert werden bis sie an eine Position gelangt sind, die sie überfordert.

Noch nicht überfordert? Weiter geht’s!

„In a hierarchy every employee tends to rise to his level of incompetence“, so der Autor. Glaubt man Laurence, dürften es nur unfähige Führungskräfte geben. Dass Unternehmen, Schulen und so weiter dennoch handlungsfähig sind und erfolgreich agieren können, liegt nach Peter schlichtweg daran, dass (noch) nicht alle Teile des Systems bereits bis zu ihrem persönlichen Level der Unfähigkeit und Überforderung vorgedrungen sind. Zudem muss berücksichtigt werden, dass auch nicht alle die Möglichkeit haben, bis zu ihrem Unfähigkeitslevel aufzusteigen.

Gläserne Decken – positiv?

Nicht wenigen wird aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion et cetera ein Strich durch die eigene Karriereplanung gemacht. Nun wird spätestens deutlich, wie problematisch Peters These ist. Denn genau genommen müssten wir all jenen, die die Karriere anderer verhindern oder denjenigen, die erst gar nicht nach „den Sternen greifen“, dankbar sein, da sie die Arbeit machen, den Betrieb am Laufen halten … und das unter der Regie unfähiger Chefs/Chefinnen.

Niemals.

Das kann es nicht sein, finde ich. Obgleich ich zugeben muss, dass ich Peters These auch reizvoll finde. Schaut man sich die Fastenratgeber in diesen Tagen an (und davon gibt es so einige auf dem Markt), paart diese mit den Verlautbarungen der Entschleunigungs- und Achtsamkeitsgurus und addiert jene herrlichen, vornehmlich in Bahnhofsbuchhandlungen aufzufindenden, Simplify-your-life Schriften mit Titel wie „Schöner Scheitern“, „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“,… so zeigt das Ergebnis eines sehr deutlich: Offenbar geht es darum, mit den Zustand der eigenen Dauerüberforderung erträglicher zu gestalten.

Dennoch Karrierefasten?

Insofern ist Peters Fazit, dass es letztendlich sinnvoller sei, alles dafür zu tun, die eigene Karriere zu verhindern, womöglich doch nicht so abwegig.
Sinnvoll scheint mir, sich ab und an tatsächlich zu fragen, ob das, was man tagtäglich so investiert, tatsächlich mit dem, was man investieren kann und möchte kompatibel ist. Ich bin davon überzeugt, dass bei einem permanenten und kompromisslosen Streben nach Mehr keine Zufriedenheit entstehen kann.

Stillstand? Pfui!

Zufriedenheit würde Innehalten und Stillstand bedeuten und dass das pfui ist, bekommen wir alle täglich vorgegaukelt. Wer aber von selbst nicht erkennt, wann es genug ist, der bekommt es entweder vom Oberarzt der nächsten Burnout-Klinik verraten oder verzweifelt auf der Stufe seiner persönlichen Incompetence-(Karriere)leiter.
Und die Moral von der Geschicht‘ … gerade ist offiziell die Zeit um die Segel anders zu setzen.

Foto: Jon Tyson, www.unsplash.com