geschah ein Unfall: Josef brach sich den Arm. Oder besser gesagt: Ich habe Josef den Arm gebrochen. Nicht absichtlich, aber es ist eben passiert. Josef litt ohnehin schon eine ganze Weile unter schwerster Osteoporose und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Unglück geschah.

Piratenhaken basteln?

Kurz überlegte ich, was nun zu tun sei: Bastelkleber holen? Mit Watte und Stoff einen Verband wickeln? Mit einer schwarzen Büroklammer einen Piratenhaken basteln (so der Vorschlag einer Bekannten)? Oder den Invaliden so an Marias Seite stellen? Ich entschied mich für Letzteres.

Unheilige Tage

Gerade erst hatte ich gelesen, dass 30–50% Prozent aller Deutschen Weihnachten nicht als Fest der Freude und Liebe empfinden. Mehr noch, sie sind froh, wenn die sogenannten „Feiertage“ endlich vorbei sind. Für beinahe die Hälfte der Menschen allein in diesem Land, sind die „heilige Nacht“ und „Weihnachten“ Stunden der (emotionalen) Kälte, Gleichgültigkeit, des Streits oder der unendlichen Traurigkeit.
Und für Maria, Josef und Jesus selbst waren diese vermutlich auch kein schnuckeliges Idyll, sondern die Konfrontation mit der Härte der Welt und ihren kleinen Sternstunden.

Ins Leben geworfen

Der nun einarmige Josef unserer integrativen Krippe, sah auch vor seinem Unfall nicht umwerfend aus. Er erinnerte mich an Conchita-Wurst. Und seine Maria? Auch nicht gerade eine smashing beauty. Jesus kommt da ganz nach ihr: er sieht blass und quengelig aus…das echte Leben eben. Weihnachten.
Für mich lautet die frohe Botschaften hier nicht: Seht, Jesus ist geboren und alles ist erstrahlt und hell und hübsch und friedlich. Sondern hier spricht ein kleiner Mensch mitten ins Leben, kennt jeden Abgrund und jede Lüge und verkündet genau hier hinein sein „Trotzdem!“. Trotz allen Leids und aller Finsternis, lohnt es sich, an den Frieden zu glauben, denn Gott ist Mensch geworden. In die politischen Unruhen, die Hungersnöte und familiären Streitigkeiten hinein hat Gott ein ungeschütztes Menschenkind geschickt. Hineingeworfen ins Leben – damit es die Welt rette. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist.

Foto: Julia Enxing