In meinem Bücherregal steht eine ganze Reihe alter Kalender 2009, 2010,… und es dauert gar nicht mehr lange, da werde ich auch jenes kleine Leinenbüchlein mit dem Aufdruck 2017 zu den anderen stellen. Wieder ein Jahr vorbei. Ich bin froh, schon vor einiger Zeit einen Kalender für 2018 gekauft zu haben. Eher gesagt, ich habe ihn mir schon rechtzeitig schenken lassen. Gestern war es dann soweit.

Einen würdigen Platz

Die Termine für 2018, die sich in den letzten Wochen und Tagen in einer Art exponentiellen Funktion angehäuft haben, sollten endlich auch einen würdigen Platz in meinem neuen Kalender bekommen. Nicht an den Rand des alten Jahres gequetscht, sondern ihre eigene Spalte erhalten. Das Übertragen aller Geburtstage und der bereits vorhandenen Termine und geplanten Urlaubszeiträume in den neuen Kalender ist bei mir so etwas wie ein kleines Ritual: Ich zünde eine Kerze an (diesmal die vom Adventskranz), mache mir einen Tee, breite den alten und den neuen Kalender vor mir auf und los geht’s.

November? Katastrophe!

Ich komme bis April und es erfasst mich das erste Schütteln, Brummen und Maulen…schon wieder so viele Termine, das Jahr hat noch nicht mal mehr begonnen. Mai. Lauteres Brummen. Im November ist es aus. Ich bin der Verzweiflung nahe. Wieso ist der Terminkalender schon so voll? Wie machen das denn die, mit den richtig vielen Terminen? Die „Heute-in-New-York-morgen-in-Seoul-Leute“? Oder auch die mit dem Job und den Kindern? Und die, die ihre Familienangehörigen betreuen oder pflegen? Wie machen es die, die Schicht arbeiten und deren Tage und Nächte kaum planbar sind? Wie machen es die, die spontan Pflegekinder oder -tiere aufnehmen? Die, die bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind – ständig einsatzbereit?

Übertreib’s nicht!

Ich stell‘ mich vielleicht an, denke ich. Das macht es aber nicht leichter. Die Mischung zwischen „ich armes Hascherl“ und „jetzt reiß Dich endlich zusammen“ macht es nicht besser. Ich bin planlos bei all dem Geplane. Und dann sitze ich so da und frage mich, was eigentlich schief gegangen ist und warum ich so wenig leere Tage habe? Warum ich im Mai zwischen all den Feiertagen, Seminaren, Katholik(*innen!)tag, et cetera auch noch einen Vortrag zum Thema „Entschleunigung“ angenommen habe. Das macht mich fast aggressiv, bringt mich aber auch zum Nachdenken. Warum reden wir Theolog*innen eigentlich ständig von Achtsamkeit, von der Konzentration aufs Wesentliche, vom Loslassenkönnen, von Kontemplation und Meditation, von besinnlicher Lektüre und lassen uns dann in Burn-Out-Kliniken einweisen? Verkehrte Welt. Und ich? Mittendrin. Ich frage mich, was ich machen würde, wäre der Kalender ab Februar leer. Im Hintergrund wird gerade „Siedler“ gespielt und es ertönt lautstark „Die Zukunft liegt in Schafen“. Das klingt interessant, finde ich.

Foto: Sam Carter, www.unsplash.com

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